Editorial

Ein Wort unseres bedingt zurechnungsfähigen Herausgebers.

Claudio

Es geht weiter

Wenn ich Jude wäre oder Katholik, Quaker, Muslim, Pastafarian oder Buddhist – der Abschied wäre leichter.
Bei der Beichte würden dem Pfarrer vielleicht ein wenig die Ohren bluten, aber ich käme immerhin anschließend in den Himmel.
Dahin käme ich auch, wenn ich mich in der U-Bahn, dem Stadion oder einem Rock-Konzert in die Luft sprengen würde. Da bekäme ich dann
sogar noch ein halbes Hundert niedlicher Jungfrauen als Zugabe hinterhergeschmissen.
Ich glaube auch nicht, dass ich eines Tages wiedergeboren werde. Selbst bei frömmstem Lebenswandel nicht.
Weder als bunter Schmetterling auf der grünen Wiese, noch als Filzlaus am Sack des Erzbischofs von Canterbury.
Als gottloser Geselle ist mit dem Zuklappen des Sarges wahrscheinlich Schicht im Schacht. Ende der Veranstaltung. Einfach Licht aus.
Und dann geistert man – wenn man Pech hat – als so eine Art “Untoter” im Nirwana herum, ist nirgend zuhause, weder im Himmel, noch in der Hölle,
noch am Sack des Erzbischofs. Jungfrauen kriegt man auch keine. Keine Harfe, kein Manna. Als arme, ungläubige Seele ist man beschissen dran, wenn man tot ist.
Besser also, man lebt noch eine Weile alt und gebrechlich vor sich hin. Auch wenn es weh tut. Noch ist es ja nicht ganz so weit.
Noch hänge ich hier inzwischen zwar schon halb über der Klippe – aber eben nur halb. Der Rest zuckt noch. Und überlegt, ob man das mit dem Löffelabgeben
nicht doch besser noch eine Weile vor sich herschiebt. Seit ich gelesen habe, dass die Zahl der über-100-Jährigen überall auf der Welt rasant ansteigt,
denke ich mir, dass das auf Gomera wohl auch nicht anders ist. Außerdem hat Helmut Schmidt noch im Alter von 97 Jahren “Die Zeit” herausgegeben.
Da bleiben mir ja, nachdem ich auch noch das Rauchen aufgegeben habe, noch reichlich Jährchen, um meine unzensierten Perlen unter die Säue zu werfen und
meine immer piefiger werdenden Mitinsulaner auf die Nudel zu schieben. Wahrscheinlich würde ich mich ja sonst möglicherweise heftigst langweilen und mir bei Karsten mein bisschen verbliebenes Resthirn wegsaufen. Was auch kein allzu prickelnder Gedanke ist, weil ich zwar früher eine ganze Woche saufen konnte, und dann einen Tag lang einen dicken Kopp hatte.
Heute muss ich spätestens nach dem 3. Bier künstlich beatmet werden.
Also wird – anders als ursprünglich geplant – diese 100ste Ausgabe wahrscheinlich doch noch nicht die letzte sein. Alle Abonnenten können aufatmen. Die Kohle ist nicht weg.
Der Valle-Bote ist ja auch nicht “Air Berlin”, oder was? Und all unsere verzweifelten Leserinnen können ihre Tränchen trocknen und wieder fröhlich in die Zukunft blicken.
Es gibt jetzt ja wahrscheinlich doch noch längere Zeit was zu lachen, auf unserer immer trauriger werdenden Bananeninsel.
Anderes Thema:
Eine neue Regierung gibt es nun auch wieder in der Kalten Heimat. Zangengeburt. Und mancher fragt sich, wer diese Flitzpiepen eigentlich gewählt hat.
Wenn wir in diesen Tagen über die Uferpromenade von Valle Gran Rey schlendern, dann wissen wir es. Früher liefen da immer Leute rum, die sahen aus wie Mick Jagger oder Bob Marley.
Heute sehen die alle aus wie Alexander Dobrindt. Da fällt es einem doch glatt wie Schuppen von den Augen: Aha! Das sind die neuen Wähler in der kalten Heimat.
Dann ist es ja auch klar, wen die in ihre Regierung wählen, und mit wem die unter der Decke kunkeln um einen Ministerposten zu erschleimen.
Nee, Leute, mit diesen “Volksvertretern” wollen wir nicht mal per Briefwahl was zu tun haben.  Da halten wir uns aber ganz schön und ganz weit fern von. “Sweet Home La Gomera!”

Dunkeldeutschlandwasserholer

Nee, nee, Leute. “Dunkeldeutschland” ist keine Erfindung unseres heiligen Kanonenrohrs im Schloss Bellevue. “Dunkeldeutschland” gab es schon vor über dreißig Jahren, als wir ausgewandert sind. Damals war es in ganz Kohlrabien dunkel. Jedenfalls kam uns das so vor, sonst wären wir ja auch nicht ausgewandert. Und schon damals lag es keinesfalls nur an der fehlenden Sonne.
Vielleicht war es damals noch nicht ganz so dunkel wie heute, aber es war in weiten Teilen Bayerns und Niedersachsens doch schon ziemlich duster. Heute, nach Mauerfall und Wiedervereinigung, ist es da zwar auch kaum viel heller geworden, aber heute sind es ja vor allem die Sacksen die sich als die wahren Dunkelmänner der Nation hervortun. Lauter Bekloppte, die in der Gegend rumlaufen, “Ausländer raus!” grölen und überall Flüchtlingsheime anzünden.
Zwar recken auch in anderen Teilen unseres ehemaligen Vaterlandes vermehrt wieder Nazis den Hals aus der braunen Suppe, aber im Osten scheinen sie das inzwischen sehr viel ungenierter tun zu dürfen als beispielsweise auf St. Pauli, wo sie nämlich gleich reichlich auf die Glocke kriegen.
Auch bei einigen unserer deutschen Neuresidenten stellen wir eine heimliche Verbräunung fest, die nicht von der kanarischen Sonne kommt. Die haben sie offensichtlich unbemerkt ins Land geschmuggelt. Zwar halten sich unsere insularen Bräunlinge noch gut bedeckt (was auch besser für sie ist) und bleiben vorwiegend unter sich, aber in einigen Hirnen rumpelt es doch bereits vernehmlich wieder ziemlich teutonisch national. Hoffentlich ist das nicht ansteckend! Schließlich haben wir nicht den geringsten Bock darauf, möglicherweise wieder nach Dunkeldeutschland auswandern zu müssen.

 

Euch juckt wohl wieder das Fell.

Aus purer Sorge um ihr Volk will die CSU jetzt 80.000 Alarmsirenen
installieren und atombombensichere Bunker bauen.
Gleichzeitig werden alle ausgemusterten Panzer generalüberholt
und – sobald die geföhnte Uschi wieder genug Knete in der Kasse hat –
jede Menge neue gebaut. Die Bundesregierung will den Wehr- äh –
„Verteidigungsetat” schon im kommenden Jahr um 1,2 Milliarden Euro
aufstocken. Das geht aus den Eckwerten für den Haushalt 2016 und
die mittelfristige Finanzplanung hervor, die den Deutschen
Presseagenturen vorliegen. Der Verteidigungsetat soll bis 2019
schrittweise von derzeit 32,97 Milliarden auf 35,01 Milliarden Euro
erhöht werden. Die deutsche Rüstungsindustrie, die inzwischen
nicht nur Waffen auch in Kriegsgebiete liefern darf, richtet sich
schon mal auf eine steigende Binnennachfrage ein. Das schafft
zusätzliche Arbeitsplätze und steigert das Bruttosozialprodukt.
Deutsche Soldaten kämpfen nicht länger nur am Hindukusch, in Syrien
oder am Horn von Afrika – Nein! Sie marschieren (als Militärberater
getarnt) auch schon wieder in die Ukraine ein.
Dort kennen sie sich ja auch von früher noch ganz gut aus.
Siebzig Jahre ohne richtigen Krieg in Europa scheint vielen eine
viel zu lange Zeit, oder was? Euch juckt wohl wieder das Fell!
An der Nahtstelle der tektonischen Platten zwischen Russland
und Amerika können wir uns angeblich nicht so einfach pazifistisch
wegducken. Da müssen wir Stellung beziehen. Schließlich sind wir ja
nicht nur NATO-Mitglied, sondern gleichzeitig die führende
Wirtschaftsmacht in Europa. Und mit was lässt sich schneller und
leichter viel Geld und so den Wohlstand mehren als mit Krieg?
Kauft Euch also schon mal einen Stahlhelm, Leute. Oder wandert
rechtzeitig – weit ab vom Schuss – nach Gomera aus.