Editorial

Ein Wort unseres bedingt zurechnungsfähigen Herausgebers.

Claudio

Hurra wir leben noch

Noch gar nicht so lange her, da saßen wir gemütlich im „Esperanto“ am Hafen zum Abendessen. Gerade wollten wir das Fischfilet entgräten, da ertönte zum ersten Mal jener markerschütternde Schrei, der in den folgenden Wochen und Monaten auch auf Gomera den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang ankündigte:   „Corona“!

Als dann im Lokal auch noch das Gerücht die Runde machte, ab sofort herrsche in ganz Spanien ein absolutes Ausgangsverbot, und alle Restaurants müssten ab sofort schließen, da tippten wir uns an die Stirn: Alle Restaurants zu? In einem Ferienort? In der Hochsaison? Das konnte doch nur wieder eine dieser üblichen Gomera-Dingenshaus-Parolen sein. Als dann einer sogar noch erzählte, man dürfe künftig nicht einmal mehr an den Strand, da war es uns eigentlich mal wieder völlig klar: Gomera, wie es singt und lacht.

Gleich am nächsten Morgen aber lieferte das Fernsehen eine Ansprache des spanischen Ministerpräsidenten: Tatsächlich! Alle Läden zu. Bis auf Weiteres totale Ausgangssperre.

Jetzt drehte Gomera am Rad: „Ab morgen fährt keine Fähre mehr. Alle Flugverbindungen werden eingestellt, alle Hotels geschlossen. Nur noch Einheimische dürfen auf der Insel bleiben. Alle Ausländer würden jetzt zwangsweise außer Landes gebracht“. Das Deutsche Konsulat veranstaltete bereits letzte Heimholaktionen. Da musste man sich SOFORT melden, wenn man aus der Fremde noch zurück in die Kalte Heimat wollte.

Natürlich wussten all unsere Er- und Be-leuchteten auch sofort, wer hinter all dem steckte:  „Die Regierungen von 99 Prozent der Staaten dieser Erde haben sich plötzlich gegen ihre Bevölkerung verschworen. Sie wollen sie wirtschaftlich ruinieren, unterdrücken und in den Untergang führen. Oder sie sind einfach nur dumm. So dumm, dass sie nicht erkennen, dass nur wir, auf Gomera, erleuchtet wurden und die „Wahrheit“ erkennen konnten.

Nahezu alle Medien dieser Welt sind fremdgesteuert und berichten nicht die Wahrheit. Wer steuert? Je nach politischer Couleur die CIA, der KGB, der Mossad, Bill Gates oder der Weltverband der Brieftaubenzüchter.“

„Die Chinesen! Die haben in ihren geheimen Laboren das Virus entwickelt und auf die Menschheit losgelassen. So wollen sie die Weltherrschaft erringen. Die haben auch längst den Impfstoff dagegen gefunden, geben ihn aber erst raus, wenn das in ihren Plan passt“.

“Es gibt einen Plan, der alle „nutzlosen Esser“ eliminieren soll. Als „nutzlose Esser“ bezeichnen die „Eliten“ alle Menschen, die unbequem sind. Der Plan existiert seit mehreren Generationen. Angestrebt wird eine kleine Menge Menschen (500.000 – mehr Diener benötigen die Herrschenden nicht), die gerade klug genug ist, um für sie zu arbeiten, aber nicht intelligent genug, um zu protestieren oder selbständig zu denken. Bewerkstelligt werden soll das alles mittels des “Codex Alimentarius”.

Unsere vielen weisen Frauen auf der Insel wussten auch: „Das Virus wird nun vor allem diejenigen hinraffen, die sich vorher gegen Masern, Grippe, Kinderlähmung, Keuchhusten oder Tuberkulose haben impfen lassen. Impfungen, vor denen ja seit eh und je gewarnt wurde, haben nun das Tor für das Coronavirus sperrangelweit aufgemacht. Das habt ihr nun davon!“

Ab sofort wurde bei jedem, der noch mit der Fähre aus San Sebastian kam, die Temperatur gemessen. In einem Pkw, der gleich am Hafen desinfiziert werden musste, durften nur noch maximal zwei Personen sitzen: eine vorn, eine hinten (und zwar quer!)“.

Und dann gab es ab sofort kräftige Geldstrafen: Wenn einen die Polizei auf der Straße erwischte: 601 €. Wenn man “frech” wurde: 2.000€. Wenn man aggressiv wurde: 3.000€. Wenn man körperlich aggressiv wurde oder Drohungen aussprach: 10.400€. All das (und einiges mehr) wurde in offizieller, gedruckter Version von der Regierung rausgehauen.

„Hallo, ich bin gerade empört und hilflos. Es reicht ja wirklich wie es ist mit all den Einschränkungen und nicht in Kontakt gehen um niemanden anzustecken sehe ich auch ein. Aber wenn jemand angebrüllt wird von der Polizei beim Einkauf geht das zu weit. Einem Freund von mir ist das auch passiert. Sowas muss man sich doch nicht gefallen lassen. Weiß jemand wo man sich da beschweren kann? Dieser Mensch, auch wenn es für ihn Stress ist, sollte darauf hingewiesen werden, dass das nicht angemessen ist. Weiß jemand ob man da was machen kann und wenn wo? Bin aufgewühlt, das ist ja wie im Faschismus!“

Auf La Gomera versprühten bald pro Tag insgesamt 160 Einsatzkräfte 18.000 Liter Desinfektionsmittel auf Straßen und Plätzen. Sogar die Verkehrsschilder in drei Metern Höhe wurden in der giftigen Lauge geradezu gebadet.

Alsbald meldeten sich Epidemiologen, Virologen, Institutsleiter und alle möglichen „Experten“ in der Weltpresse und auf allen TV-Kanälen mit anstudiertem Fachwissen. Zum Beispiel DIE ZEIT:

„Auf Bildern in Medienberichten war immer wieder zu sehen, wie Menschen in weißen Schutzanzügen ganze Fahrzeuge mit massenhaft Desinfektionsmitteln besprühten, es in Straßen verteilten und auf öffentlichen Plätzen Bänke und Laternenmasten abspritzten. „Totaler Unsinn“, meint die Virologin Brinkmann. Für sie sind Maßnahmen wie diese öffentlichkeitswirksam, sie sollen beruhigen. Flächendeckend ist der Aufwand absurd hoch und nicht zielführend. Das Virus wird in erster Linie von Menschen übertragen und nicht durch Parks, Gehwege oder Straßen.“

Da krochen auch auf Gomera alsbald emeritierte Professoren, Doktoren und sonstige Schlauberger*Innen dutzendweise aus dem Lorbeergebüsch. Galt bisher lediglich Professor Dr. Herbert Scheuermann, der im Valle-Boten seit Jahren über die großen Irrtümer der Menschheit doziert, als akademische Koryphäe, so wetteiferten jetzt Deutsch-Gomerianer im Sechserpack um den Nobelpreis in Virologie:

„Von der Sprüherei sterben die Bienen! Bei uns im Garten fallen sie zu Hunderten von den Bäumen.“

„Grade wurde unsere Straße von Männern mit blauen Anzügen und Maske besprüht, oh mein Gott stellt euch vor es hat nicht einmal wirklich gestunken, keine Migräneanfälle, keine Atemnot und sogar die Bienen leben noch“.

„…Aber meinen Hund hat es erwischt. Der hat auf einmal ganz entzündete Pfoten und total dicke Eier“.

„Es dürfen doch sowieso nur noch Einheimische auf der Insel bleiben oder Langzeitresidenten“.

„die Kontaktsperre dauert zwei Jahre. Alle Kleinunternehmen sind bis dahin pleite. nur wenige wie Amazon, Microsoft etc. haben alles aufgekauft. Die Läden sind leer. Fast niemand hat mehr Arbeit, wir werden alle überwacht und Essen wird rationiert, und fast niemand hat mehr Geld, etwas zu kaufen. Die Mieten können nicht mehr bezahlt werden, die Kriminalität nimmt zwar ab, aber die häusliche Gewalt nimmt zu. Wer die Miete nicht mehr bezahlen kann, muss die Wohnung verlassen, wer Strom und Gas nicht mehr zahlt, kann auch nicht mehr kochen.

Es wird nichts mehr produziert, die Wirtschaft steht still. Bei den Amazons sieht es derweil auch schlecht aus, weil niemand mehr etwas kaufen kann. Die Reichen haben ihre Vorräte auch aufgegessen. Die Kindersterblichkeit steigt an, da es auch keine Kondome etc. und keine Nahrung mehr gibt. Alles Geld, das existiert, liegt in der Hand weniger und sie haben nicht nur alle Kleinunternehmen, sondern auch alle Häuser aufgekauft, in denen allerdings niemand mehr wohnt. Da immer noch Ausgangssperre herrscht, hat sich die Bevölkerung angesichts dessen in Luft aufge-löst. Die Zitrone ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgequetscht.

Das lese ich jeden Tag auf Facebook… nicht so komprimiert, aber zusammengefasst. Lasst uns also Särge bestellen, solange das noch geht“.

Und vor Jahren schon hatte der Valle-Bote in seiner Nummer 99 prophezeit: „Die Welt geht unter“. Jetzt war es wohl endlich so weit.

Doch Wahnsinn! Wir leben immer noch.

Freitags for Future

Auf Gomera protestieren wir beileibe nicht nur Freitags for Future. Wir kämpfen auch den gesamten Rest der Woche für unser sterbendes Klima. Aber hallo!

SUV? Fahren wir nicht. Nie!!! Wir haben nicht mal mehr einen klapprigen Panda. Auch kein Motorrad. Nicht mal ein Moped. Wir eiern mit unserem uralten Drahtesel durch das Biotop. Null Emission, null Co2, null Feinstaub. Wir essen keine toten Tiere. Wir leben alle vegan, oder zumindest vegetarisch. Auf jeden Fall leben wir auf Gomera voll asketisch.Einkaufen nur noch im Jutebeutel. Und ausschließlich Nahrungsmittel, die hier auf der Insel wachsen. Kiwis lassen wir liegen. Auch Erdbeeren aus Südafrika, Kirschen aus Chile oder Linsen aus Kanada. Wegen der Transportwege und des Klimas und so.

Natürlich trennen wir unseren Müll. Wir verwenden auch keine Plastiktüten mehr. Selbst unsere Hundekacke auf der Straße sammeln wir nicht mehr in Plastikbeuteln, sondern nur noch in Papiertütchen auf. Damit müssen wir uns allerdings ein wenig beeilen, weil die sonst durchweichen, und man da dann mit der Kacke in den bloßen Händen durchs halbe Dorf zum Müllcontainer laufen muss. Und wenn uns der kleine Bordsteinkacker mit seinem Gekläff auf den Pinsel geht, dann fliegen wir ihn liebevoll mit einem Flugpaten von Pro-Animal in die kalte Heimat. Ob er nun will (der Hund) oder nicht

Wegen des ökologischen Fußabdrucks bauen wir auch keine Steinhäuser mehr, sondern nur noch Hütten aus Schilfrohr. Das wächst im Barranco wie Unkraut und brennt voll prima, wenn es da zu lange einfach so rumsteht. (Haben wir ja alles erlebt – noch gar nicht so lange her).

Weil der Meeresspiegel immer weiter steigt, das Meer sich immer weiter erwärmt und versäuert, pinkeln wir nicht mehr in den Ozean. Nicht mal wenn es keiner sieht. Im Gegenteil: Wir sammeln sogar den Müll vom Strand und tauchen im Hafenbecken Batterien und Autoreifen auf. Dann halten wir uns bei den Händen und singen Fährfrauenlieder für unsere arme Mutter Erde, die heutzutage so schrecklich leiden muss.

Und während wir das alles und noch viel, viel mehr dafür tun, dass unser Klima nicht allzu bald total vor die Hunde geht, und auch unsere Enkel noch richtige Luft atmen können, fackelt dieser Schweinehund Bolsonaro den brasilianischen Regenwald ab. Da fühlen wir uns doch irgendwie voll verarscht, oder was? Deutschland verkauft wieder jede Menge Waffen an die Emirate im Nahen Osten. Die Amis rüsten Saudi-Arabien auf. Und Israel. Die Russen verkaufen Waffen in die Türkei und den Iran. Wir auch.

Bolsonaro fackelt den Regenwald am Amazonas ab. Trump den Urwald von Alaska. Die Indonesier schlagen ihre Inseln kahl. Die Chinesen sind mit ihrer “Seidenstraße” dabei, Asien, Afrika und Europa “einzugemeinden”, damit sie bald die ganze Welt mit ihrem Billigplastik zuscheißen können. Das schwimmt dann hinterher im Meer, und wir, auf Gomera, müssen das Zeugs dann rausfischen und in die Mülltonne “entsorgen”.

Sagt mal, Leute, habt Ihr sie eigentlich noch alle?

Vor nunmehr gut 25 Jahren druckten wir im Valle-Boten das nachfolgende Editorial:

“Wir sind kein verlaustes Hippie-Blatt, auch wenn uns mancher unserer Leser und Leserinnen nach der letzten Ausgabe als solches beschimpfte. Gern würden wir es ja auch diesen chronischen Meckerbolzen rechtmachen. Vielleicht sollten wir uns wirklich bemühen, uns fürderhin einer kultivierteren Sprache zu befleißigen. Es sollte vielleicht nicht mehr Bocklosigkeit sein, die uns depressiv stimmt, sondern Unpässlichkeit. Weder sollte in Zukunft der Bär los sein, noch der Papst boxen. Stattdessen sollten nur noch Heiterkeit und Frohsinn die Sträßchen unseres entzückenden Ferienparadieses erfüllen. Statt „Käse aus Kohlrabien“ sollten wir „Nachrichten aus der Heimat“ bringen und statt von der Bundesbirne künftig – wenn überhaupt – nur noch von „unserem“ Herrn Dr. Kohl sprechen. Begriffe wie „geil“ sollten wir mit „lieblich“ übersetzen – die Steigerung wäre dann allenfalls „ober-affen-turbo-scham-titten-lieblich“ oder so.

Wie gesagt: Wir sollten uns bessern, denn schließlich – so sagte man uns mehrfach und überdeutlich – sind es ja nicht die „Ruinas“, die „Kaputtniks“, die uns die Knete – pardon – das Auskommen sichern, sondern die besseren Leute. Und die sagen niemals „Scheiße“, sondern allenfalls „Igitt“. Andererseits, wenn wir uns das alles so recht überlegen, sind wir hier schließlich immer noch und gottseidank im Valle, und nicht in einem dieser abartigen, sterilen Touristen-Ghettos auf einer der Nachbar-Inseln. (Namen sind der Redaktion hinreichend bekannt). Und so meinen wir denn, dass die „feinen Leute“ doch vielleicht eher die „Elegante Welt“ oder „Madame“ lesen sollten, wenn sie sich am Swimming-Pool ihre Piñacoladas ins Gesicht schütten – pardon – daran nippen. Wir, vom Valle-Boten, möchten doch lieber unserem Motto treu bleiben, so wie es seit Anbeginn im Titel unserer Zeitung steht: „unabhängig – überparteilich – abgedreht.“ Wobei die Betonung natürlich nach wie vor auf „abgedreht“ liegt. „Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die keiner kann,“ heißt es im Volksmund. Und wenn wir mal ganz ehrlich sein dürfen, dann wollen wir es eigentlich auch gar nicht „jedermann“ recht machen”.

Das schrieben wir – wie gesagt – vor über 25 Jahren. Und in der Zwischenzeit haben wir unsere Meinung nicht geändert. Obwohl wir jetzt ja auch nicht mehr als “Hippie-Blatt”, sondern allenfalls als “Hinz&Kunst” verunglimpft werden könnten, denn statt Hippies gibt es auf Gomera ja inzwischen nur noch “Obdachlose”.

Es geht weiter

Wenn ich Jude wäre oder Katholik, Quaker, Muslim, Pastafarian oder Buddhist – der Abschied wäre leichter.
Bei der Beichte würden dem Pfarrer vielleicht ein wenig die Ohren bluten, aber ich käme immerhin anschließend in den Himmel.
Dahin käme ich auch, wenn ich mich in der U-Bahn, dem Stadion oder einem Rock-Konzert in die Luft sprengen würde. Da bekäme ich dann
sogar noch ein halbes Hundert niedlicher Jungfrauen als Zugabe hinterhergeschmissen.
Ich glaube auch nicht, dass ich eines Tages wiedergeboren werde. Selbst bei frömmstem Lebenswandel nicht.
Weder als bunter Schmetterling auf der grünen Wiese, noch als Filzlaus am Sack des Erzbischofs von Canterbury.
Als gottloser Geselle ist mit dem Zuklappen des Sarges wahrscheinlich Schicht im Schacht. Ende der Veranstaltung. Einfach Licht aus.
Und dann geistert man – wenn man Pech hat – als so eine Art “Untoter” im Nirwana herum, ist nirgend zuhause, weder im Himmel, noch in der Hölle,
noch am Sack des Erzbischofs. Jungfrauen kriegt man auch keine. Keine Harfe, kein Manna. Als arme, ungläubige Seele ist man beschissen dran, wenn man tot ist.
Besser also, man lebt noch eine Weile alt und gebrechlich vor sich hin. Auch wenn es weh tut. Noch ist es ja nicht ganz so weit.
Noch hänge ich hier inzwischen zwar schon halb über der Klippe – aber eben nur halb. Der Rest zuckt noch. Und überlegt, ob man das mit dem Löffelabgeben
nicht doch besser noch eine Weile vor sich herschiebt. Seit ich gelesen habe, dass die Zahl der über-100-Jährigen überall auf der Welt rasant ansteigt,
denke ich mir, dass das auf Gomera wohl auch nicht anders ist. Außerdem hat Helmut Schmidt noch im Alter von 97 Jahren “Die Zeit” herausgegeben.
Da bleiben mir ja, nachdem ich auch noch das Rauchen aufgegeben habe, noch reichlich Jährchen, um meine unzensierten Perlen unter die Säue zu werfen und
meine immer piefiger werdenden Mitinsulaner auf die Nudel zu schieben. Wahrscheinlich würde ich mich ja sonst möglicherweise heftigst langweilen und mir bei Karsten mein bisschen verbliebenes Resthirn wegsaufen. Was auch kein allzu prickelnder Gedanke ist, weil ich zwar früher eine ganze Woche saufen konnte, und dann einen Tag lang einen dicken Kopp hatte.
Heute muss ich spätestens nach dem 3. Bier künstlich beatmet werden.
Also wird – anders als ursprünglich geplant – diese 100ste Ausgabe wahrscheinlich doch noch nicht die letzte sein. Alle Abonnenten können aufatmen. Die Kohle ist nicht weg.
Der Valle-Bote ist ja auch nicht “Air Berlin”, oder was? Und all unsere verzweifelten Leserinnen können ihre Tränchen trocknen und wieder fröhlich in die Zukunft blicken.
Es gibt jetzt ja wahrscheinlich doch noch längere Zeit was zu lachen, auf unserer immer trauriger werdenden Bananeninsel.
Anderes Thema:
Eine neue Regierung gibt es nun auch wieder in der Kalten Heimat. Zangengeburt. Und mancher fragt sich, wer diese Flitzpiepen eigentlich gewählt hat.
Wenn wir in diesen Tagen über die Uferpromenade von Valle Gran Rey schlendern, dann wissen wir es. Früher liefen da immer Leute rum, die sahen aus wie Mick Jagger oder Bob Marley.
Heute sehen die alle aus wie Alexander Dobrindt. Da fällt es einem doch glatt wie Schuppen von den Augen: Aha! Das sind die neuen Wähler in der kalten Heimat.
Dann ist es ja auch klar, wen die in ihre Regierung wählen, und mit wem die unter der Decke kunkeln um einen Ministerposten zu erschleimen.
Nee, Leute, mit diesen “Volksvertretern” wollen wir nicht mal per Briefwahl was zu tun haben.  Da halten wir uns aber ganz schön und ganz weit fern von. “Sweet Home La Gomera!”

Dunkeldeutschlandwasserholer

Nee, nee, Leute.

“Dunkeldeutschland” ist keine Erfindung unseres heiligen Kanonenrohrs im Schloss Bellevue. “Dunkeldeutschland” gab es schon vor über dreißig Jahren, als wir ausgewandert sind. Damals war es in ganz Kohlrabien dunkel. Jedenfalls kam uns das so vor, sonst wären wir ja auch nicht ausgewandert. Und schon damals lag es keinesfalls nur an der fehlenden Sonne.
Vielleicht war es damals noch nicht ganz so dunkel wie heute, aber es war in weiten Teilen Bayerns und Niedersachsens doch schon ziemlich duster. Heute, nach Mauerfall und Wiedervereinigung, ist es da zwar auch kaum viel heller geworden, aber heute sind es ja vor allem die Sacksen die sich als die wahren Dunkelmänner der Nation hervortun. Lauter Bekloppte, die in der Gegend rumlaufen, “Ausländer raus!” grölen und überall Flüchtlingsheime anzünden.
Zwar recken auch in anderen Teilen unseres ehemaligen Vaterlandes vermehrt wieder Nazis den Hals aus der braunen Suppe, aber im Osten scheinen sie das inzwischen sehr viel ungenierter tun zu dürfen als beispielsweise auf St. Pauli, wo sie nämlich gleich reichlich auf die Glocke kriegen.
Auch bei einigen unserer deutschen Neuresidenten stellen wir eine heimliche Verbräunung fest, die nicht von der kanarischen Sonne kommt. Die haben sie offensichtlich unbemerkt ins Land geschmuggelt. Zwar halten sich unsere insularen Bräunlinge noch gut bedeckt (was auch besser für sie ist) und bleiben vorwiegend unter sich, aber in einigen Hirnen rumpelt es doch bereits vernehmlich wieder ziemlich teutonisch national. Hoffentlich ist das nicht ansteckend! Schließlich haben wir nicht den geringsten Bock darauf, möglicherweise wieder nach Dunkeldeutschland auswandern zu müssen.

Euch juckt wohl wieder das Fell.

Aus purer Sorge um ihr Volk will die CSU jetzt 80.000 Alarmsirenen
installieren und atombombensichere Bunker bauen.
Gleichzeitig werden alle ausgemusterten Panzer generalüberholt
und – sobald die geföhnte Uschi wieder genug Knete in der Kasse hat –
jede Menge neue gebaut. Die Bundesregierung will den Wehr- äh –
„Verteidigungsetat” schon im kommenden Jahr um 1,2 Milliarden Euro
aufstocken. Das geht aus den Eckwerten für den Haushalt 2016 und
die mittelfristige Finanzplanung hervor, die den Deutschen
Presseagenturen vorliegen. Der Verteidigungsetat soll bis 2019
schrittweise von derzeit 32,97 Milliarden auf 35,01 Milliarden Euro
erhöht werden. Die deutsche Rüstungsindustrie, die inzwischen
nicht nur Waffen auch in Kriegsgebiete liefern darf, richtet sich
schon mal auf eine steigende Binnennachfrage ein. Das schafft
zusätzliche Arbeitsplätze und steigert das Bruttosozialprodukt.
Deutsche Soldaten kämpfen nicht länger nur am Hindukusch, in Syrien
oder am Horn von Afrika – Nein! Sie marschieren (als Militärberater
getarnt) auch schon wieder in die Ukraine ein.
Dort kennen sie sich ja auch von früher noch ganz gut aus.
Siebzig Jahre ohne richtigen Krieg in Europa scheint vielen eine
viel zu lange Zeit, oder was? Euch juckt wohl wieder das Fell!
An der Nahtstelle der tektonischen Platten zwischen Russland
und Amerika können wir uns angeblich nicht so einfach pazifistisch
wegducken. Da müssen wir Stellung beziehen. Schließlich sind wir ja
nicht nur NATO-Mitglied, sondern gleichzeitig die führende
Wirtschaftsmacht in Europa. Und mit was lässt sich schneller und
leichter viel Geld und so den Wohlstand mehren als mit Krieg?
Kauft Euch also schon mal einen Stahlhelm, Leute. Oder wandert
rechtzeitig – weit ab vom Schuss – nach Gomera aus.