Editorial

Ein Wort unseres bedingt zurechnungsfähigen Herausgebers.

Claudio

Dunkeldeutschlandwasserholer

Nee, nee, Leute. “Dunkeldeutschland” ist keine Erfindung unseres heiligen Kanonenrohrs im Schloss Bellevue. “Dunkeldeutschland” gab es schon vor über dreißig Jahren, als wir ausgewandert sind. Damals war es in ganz Kohlrabien dunkel. Jedenfalls kam uns das so vor, sonst wären wir ja auch nicht ausgewandert. Und schon damals lag es keinesfalls nur an der fehlenden Sonne.
Vielleicht war es damals noch nicht ganz so dunkel wie heute, aber es war in weiten Teilen Bayerns und Niedersachsens doch schon ziemlich duster. Heute, nach Mauerfall und Wiedervereinigung, ist es da zwar auch kaum viel heller geworden, aber heute sind es ja vor allem die Sacksen die sich als die wahren Dunkelmänner der Nation hervortun. Lauter Bekloppte, die in der Gegend rumlaufen, “Ausländer raus!” grölen und überall Flüchtlingsheime anzünden.
Zwar recken auch in anderen Teilen unseres ehemaligen Vaterlandes vermehrt wieder Nazis den Hals aus der braunen Suppe, aber im Osten scheinen sie das inzwischen sehr viel ungenierter tun zu dürfen als beispielsweise auf St. Pauli, wo sie nämlich gleich reichlich auf die Glocke kriegen.
Auch bei einigen unserer deutschen Neuresidenten stellen wir eine heimliche Verbräunung fest, die nicht von der kanarischen Sonne kommt. Die haben sie offensichtlich unbemerkt ins Land geschmuggelt. Zwar halten sich unsere insularen Bräunlinge noch gut bedeckt (was auch besser für sie ist) und bleiben vorwiegend unter sich, aber in einigen Hirnen rumpelt es doch bereits vernehmlich wieder ziemlich teutonisch national. Hoffentlich ist das nicht ansteckend! Schließlich haben wir nicht den geringsten Bock darauf, möglicherweise wieder nach Dunkeldeutschland auswandern zu müssen.

 

Euch juckt wohl wieder das Fell.

Aus purer Sorge um ihr Volk will die CSU jetzt 80.000 Alarmsirenen
installieren und atombombensichere Bunker bauen.
Gleichzeitig werden alle ausgemusterten Panzer generalüberholt
und – sobald die geföhnte Uschi wieder genug Knete in der Kasse hat –
jede Menge neue gebaut. Die Bundesregierung will den Wehr- äh –
„Verteidigungsetat” schon im kommenden Jahr um 1,2 Milliarden Euro
aufstocken. Das geht aus den Eckwerten für den Haushalt 2016 und
die mittelfristige Finanzplanung hervor, die den Deutschen
Presseagenturen vorliegen. Der Verteidigungsetat soll bis 2019
schrittweise von derzeit 32,97 Milliarden auf 35,01 Milliarden Euro
erhöht werden. Die deutsche Rüstungsindustrie, die inzwischen
nicht nur Waffen auch in Kriegsgebiete liefern darf, richtet sich
schon mal auf eine steigende Binnennachfrage ein. Das schafft
zusätzliche Arbeitsplätze und steigert das Bruttosozialprodukt.
Deutsche Soldaten kämpfen nicht länger nur am Hindukusch, in Syrien
oder am Horn von Afrika – Nein! Sie marschieren (als Militärberater
getarnt) auch schon wieder in die Ukraine ein.
Dort kennen sie sich ja auch von früher noch ganz gut aus.
Siebzig Jahre ohne richtigen Krieg in Europa scheint vielen eine
viel zu lange Zeit, oder was? Euch juckt wohl wieder das Fell!
An der Nahtstelle der tektonischen Platten zwischen Russland
und Amerika können wir uns angeblich nicht so einfach pazifistisch
wegducken. Da müssen wir Stellung beziehen. Schließlich sind wir ja
nicht nur NATO-Mitglied, sondern gleichzeitig die führende
Wirtschaftsmacht in Europa. Und mit was lässt sich schneller und
leichter viel Geld und so den Wohlstand mehren als mit Krieg?
Kauft Euch also schon mal einen Stahlhelm, Leute. Oder wandert
rechtzeitig – weit ab vom Schuss – nach Gomera aus.