Editorial

Auf Gomera protestieren wir beileibe nicht nur Freitags for Future. Wir kämpfen auch den gesamten Rest der Woche für unser sterbendes Klima. Aber hallo!

SUV? Fahren wir nicht. Nie!!! Wir haben nicht mal mehr einen klapprigen Panda. Auch kein Motorrad. Nicht mal ein Moped. Wir eiern mit unserem uralten Drahtesel durch das Biotop. Null Emission, null Co2, null Feinstaub. Wir essen keine toten Tiere. Wir leben alle vegan, oder zumindest vegetarisch. Auf jeden Fall leben wir auf Gomera voll asketisch.Einkaufen nur noch im Jutebeutel. Und ausschließlich Nahrungsmittel, die hier auf der Insel wachsen. Kiwis lassen wir liegen. Auch Erdbeeren aus Südafrika, Kirschen aus Chile oder Linsen aus Kanada. Wegen der Transportwege und des Klimas und so.

Natürlich trennen wir unseren Müll. Wir verwenden auch keine Plastiktüten mehr. Selbst unsere Hundekacke auf der Straße sammeln wir nicht mehr in Plastikbeuteln, sondern nur noch in Papiertütchen auf. Damit müssen wir uns allerdings ein wenig beeilen, weil die sonst durchweichen, und man da dann mit der Kacke in den bloßen Händen durchs halbe Dorf zum Müllcontainer laufen muss. Und wenn uns der kleine Bordsteinkacker mit seinem Gekläff auf den Pinsel geht, dann fliegen wir ihn liebevoll mit einem Flugpaten von Pro-Animal in die kalte Heimat. Ob er nun will (der Hund) oder nicht

Wegen des ökologischen Fußabdrucks bauen wir auch keine Steinhäuser mehr, sondern nur noch Hütten aus Schilfrohr. Das wächst im Barranco wie Unkraut und brennt voll prima, wenn es da zu lange einfach so rumsteht. (Haben wir ja alles erlebt – noch gar nicht so lange her).

Weil der Meeresspiegel immer weiter steigt, das Meer sich immer weiter erwärmt und versäuert, pinkeln wir nicht mehr in den Ozean. Nicht mal wenn es keiner sieht. Im Gegenteil: Wir sammeln sogar den Müll vom Strand und tauchen im Hafenbecken Batterien und Autoreifen auf. Dann halten wir uns bei den Händen und singen Fährfrauenlieder für unsere arme Mutter Erde, die heutzutage so schrecklich leiden muss.

Und während wir das alles und noch viel, viel mehr dafür tun, dass unser Klima nicht allzu bald total vor die Hunde geht, und auch unsere Enkel noch richtige Luft atmen können, fackelt dieser Schweinehund Bolsonaro den brasilianischen Regenwald ab. Da fühlen wir uns doch irgendwie voll verarscht, oder was? Deutschland verkauft wieder jede Menge Waffen an die Emirate im Nahen Osten. Die Amis rüsten Saudi-Arabien auf. Und Israel. Die Russen verkaufen Waffen in die Türkei und den Iran. Wir auch.

Bolsonaro fackelt den Regenwald am Amazonas ab. Trump den Urwald von Alaska. Die Indonesier schlagen ihre Inseln kahl. Die Chinesen sind mit ihrer “Seidenstraße” dabei, Asien, Afrika und Europa “einzugemeinden”, damit sie bald die ganze Welt mit ihrem Billigplastik zuscheißen können. Das schwimmt dann hinterher im Meer, und wir, auf Gomera, müssen das Zeugs dann rausfischen und in die Mülltonne “entsorgen”.

Sagt mal, Leute, habt Ihr sie eigentlich noch alle?