Editorial

Gomera ist nicht nur eine fröhliche, Gomera ist auch eine total friedliche Insel. Das weiß man immer erst dann so richtig zu schätzen, wenn mal wieder so ein
geisteskranker Gröfaz sein Nachbarland überfällt. Die TV-Bilder (egal ob gefaked oder nicht) versauen uns den Sonnenuntergang an der Playa. Und wie bei den Kriegen in Vietnam, Korea, Palästina, Afghanistan, dem Kongo etc. sind es ja immer nur die kleinen Kacker, die an der Front verheizt werden. Die haben da meist überhaupt keinen Bock drauf und deshalb auch noch nie einen Krieg je angefangen. Das waren immer und sind auch heute noch die Regierungen. Mal per Geburt an die Spitze des Staates gelangt, mal durch Vater- oder Brudermord sich selbst dorthin manövriert. Manchmal (aber leider nur sehr selten) konnte sich das Volk per Tyrannenmord von so einem Schweinehund befreien.
Heute bestimmen demokratisch gewählte Führer über Krieg und Frieden, aber
trotzdem hat sich kaum etwas geändert. Nach wie vor kriegt irgendwo auf der Welt so ein Schweinehund imperiale Gelüste.
Gerade hat Putin den größten Krieg in Europa seit 1945 gestartet und droht sogar mit dem Einsatz von Atomwaffen. Die überraschende Antwort aus Deutschland: allgemeine Aufrüstung.
Waffenexporte auch in Kriegsgebiete. Die bringen schließlich richtig Kohle.
Vor diesem Hintergrund ist es um den Pazifismus (selbst in unserer kalten Heimat) schlecht bestellt. Er scheint weder dort, noch im Rest dieser bekloppten Welt zeitgemäß zu sein.

Wie schön und lobenswert ist da, dass wir auf Gomera seit mehr als dreißig Jahren unseren gütigen Kaiser Kasimir haben, dem imperiale Ambitionen jedweder Art voll am Dingens vorbeigehen. Unser gewähltes Inseloberhaupt fängt keinen Krieg an. Keinen Krieg mit Marokko und erst recht keinen Bürgerkrieg mit Spanien. Der gomerianische Pazifismus wäre eigentlich für die ganze Welt erstrebenswert.
Allenfalls eine legitimierte Minimalarmee, eine Art globaler Schweizer Garde, könnte dafür sorgen, dass internationale Konflikte nicht gewalttätig werden (und dann vielleicht auch uns friedliche Gomerianer in eine ähnliche Situation bringen wie heute die armen, bemitleidenswerten Ukrainer.

„Süß ist es, für das Vaterland zu sterben“, meinten die herrschenden Kriegstreiber schon seit den Zeiten der ollen Griechen, die sich daraufhin gegenseitig auf die Rübe hauten. Gründe dafür ließen sich immer finden. Zehn Jahre lang dauerte der Krieg der Griechen gegen die Trojaner, bloß wegen der „schönen Helena“, die Paris, der Sohn des Königs von Troja, in die Kiste gelockt hatte. Weil Helena aber schon mit dem König Spartas verheiratet war, gab es Krieg. Dann wurde hüben wie drüben allgemein „für das Vaterland“ gestorben, weil das ja schon damals so unheimlich süß war.
Und weil der Spruch von den Freuden des Heldentodes tausend Jahre und länger so prima funktioniert hatte, darum versuchen es Säbelrassler und die PR-Abteilungen der Rüstungsindustrie auch heute noch mit dem gleichen Quatsch.
Gott sei Dank inzwischen meist vergeblich. Maul bei Facebook aufreißen, das ja. Da kann man den größten Schwachsinn verbreiten und vielleicht sogar selbst daran glauben. Tut ja auch keinem weh. Vor allem einem selbst nicht. Aber gleich dafür sterben? Nö. Vielleicht besser doch nicht, oder was?

Wenn es heute Krieg gibt, dann geht da kein Mensch mehr freiwillig hin, weil es so geil ist, für das Vaterland zu sterben. So etwas glauben heutzutage höchstens die Generäle, die sich hinterher stolz bunt lackiertes Blech an die Brust hängen können (siehe Titelseite).
Bei uns, auf Gomera, lockt man mit so was keinen Hund an die Front.