Editorial

Vor nunmehr gut 25 Jahren druckten wir im Valle-Boten das nachfolgende Editorial:

“Wir sind kein verlaustes Hippie-Blatt, auch wenn uns mancher unserer Leser und Leserinnen nach der letzten Ausgabe als solches beschimpfte. Gern würden wir es ja auch diesen chronischen Meckerbolzen rechtmachen. Vielleicht sollten wir uns wirklich bemühen, uns fürderhin einer kultivierteren Sprache zu befleißigen. Es sollte vielleicht nicht mehr Bocklosigkeit sein, die uns depressiv stimmt, sondern Unpässlichkeit. Weder sollte in Zukunft der Bär los sein, noch der Papst boxen. Stattdessen sollten nur noch Heiterkeit und Frohsinn die Sträßchen unseres entzückenden Ferienparadieses erfüllen. Statt „Käse aus Kohlrabien“ sollten wir „Nachrichten aus der Heimat“ bringen und statt von der Bundesbirne künftig – wenn überhaupt – nur noch von „unserem“ Herrn Dr. Kohl sprechen. Begriffe wie „geil“ sollten wir mit „lieblich“ übersetzen – die Steigerung wäre dann allenfalls „ober-affen-turbo-scham-titten-lieblich“ oder so.

Wie gesagt: Wir sollten uns bessern, denn schließlich – so sagte man uns mehrfach und überdeutlich – sind es ja nicht die „Ruinas“, die „Kaputtniks“, die uns die Knete – pardon – das Auskommen sichern, sondern die besseren Leute. Und die sagen niemals „Scheiße“, sondern allenfalls „Igitt“. Andererseits, wenn wir uns das alles so recht überlegen, sind wir hier schließlich immer noch und gottseidank im Valle, und nicht in einem dieser abartigen, sterilen Touristen-Ghettos auf einer der Nachbar-Inseln. (Namen sind der Redaktion hinreichend bekannt). Und so meinen wir denn, dass die „feinen Leute“ doch vielleicht eher die „Elegante Welt“ oder „Madame“ lesen sollten, wenn sie sich am Swimming-Pool ihre Piñacoladas ins Gesicht schütten – pardon – daran nippen. Wir, vom Valle-Boten, möchten doch lieber unserem Motto treu bleiben, so wie es seit Anbeginn im Titel unserer Zeitung steht: „unabhängig – überparteilich – abgedreht.“ Wobei die Betonung natürlich nach wie vor auf „abgedreht“ liegt. „Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die keiner kann,“ heißt es im Volksmund. Und wenn wir mal ganz ehrlich sein dürfen, dann wollen wir es eigentlich auch gar nicht „jedermann“ recht machen”.

Das schrieben wir – wie gesagt – vor über 25 Jahren. Und in der Zwischenzeit haben wir unsere Meinung nicht geändert. Obwohl wir jetzt ja auch nicht mehr als “Hippie-Blatt”, sondern allenfalls als “Hinz&Kunst” verunglimpft werden könnten, denn statt Hippies gibt es auf Gomera ja inzwischen nur noch “Obdachlose”.